Neuigkeiten aus dem Einsatz, 22. April – 6. Mai: 295 Menschen gerettet und an einen sicheren Ort gebracht

DATUM

Nach intensiven Trainings brach die Ocean Viking am 22. April ins zentrale Mittelmeer auf. Dort konnte unsere Crew zwischen dem 24. und 27. April in vier Einsätzen insgesamt 295 Menschen retten. Einige von ihnen mussten mit ansehen, wie Menschen vor ihren Augen ertranken, bevor sie von unserem Team gerettet wurden. Alle waren bei rauer See und starkem Wind auf seeuntüchtigen, überfüllten Booten unterwegs.

Nach einer medizinischen Evakuierung befanden sich noch 294 Gerettete an Bord der Ocean Viking. Nach acht Tagen des Wartens konnten die ersten am 5. Mai, 129 weitere am 6. Mai endlich in Pozzallo, Sizilien, an Land gehen. 

 

Zuletzt aktualisiert am 06.05.2022 um 11:50  Uhr


Chronologie

6. Mai: Nachdem wir mit einigen der in vier Einsätzen Geretteten 12 Tage und Nächte an Bord der Ocean Viking verbracht haben, verabschiedeten wir uns am Morgen von den noch an Bord verbliebenen 129. Alle Überlebenden sind nun an Land gegangen und werden dort hoffentlich die Hilfe erhalten, die sie brauchen!

5. Mai: An Morgen hat die Ocean Viking in Pozzallo angelegt, wo die Ausschiffung der 294 Geretteten begann. Nach acht Tagen des Wartens sind wir erleichtert, dass diese Menschen, die in Libyen Schreckliches erlebt und Angehörige auf See verloren haben, endlich einen sicheren Hafen erreichen.

Bis am Abend konnten 165 unbegleitete Minderjährige, Frauen, Familien und Menschen mit medizinischen Problemen an Land gehen. 129 Menschen müssen eine weitere schwierige Nacht an Bord verbringen.

4. Mai: Nach 10 Tagen gestrandet auf der Ocean Viking wurde den 294 Überlebenden Pozzallo als sicherer Ort zugewiesen. Die Erleichterung ist riesig, aber wir wurden erneut Zeugen des Versagens der EU bei der Koordinierung der Ausschiffung, zum Nachteil des Seerechts und der Menschenrechte.

3. Mai: Ein Patient, dessen Gesundheitszustand sich rapide verschlechterte, musste am Abend evakuiert werden. Er wird von der italienischen Küstenwache in ein Krankenhaus mit chirurgischen Kapazitäten gebracht.

Inoussa, Geretteter auf der Ocean Viking, über das lange Warten auf die Erlaubnis, endlich von Bord gehen zu dürfen: “Mir wird schlecht, wenn ich die Menschen leiden sehe. Je länger das Warten dauert, desto mehr Verzweiflung macht sich breit, desto mehr schwindet die Hoffnung.”

2. Mai: 295 Überlebende verbrachten eine weitere Nacht auf der Ocean Viking. Einige schlafen bereits seit 8 Tagen auf dem Deck. Trotz 10 Anfragen für einen sicheren Ort an die Schifffahrtsbehörden bleiben die Geretteten in Ungewissheit. Sie müssen umgehend von Bord gehen können!

Kader* ist unter den Überlebenden, die vor einer Woche über das Ertrinken von 12 Menschen berichteten. Er erzählt, wie er in dieser schrecklichen Nacht einen seiner Freunde verloren hat:

1. Mai: Nach 9 Anfragen für einen sicheren Ort an die Behörden, sind die 295 Überlebenden immer noch auf der Ocean Viking gestrandet. Einige warten bereits seit 7 Tagen. Unser Team und das der IFRC fordern, dass sie sofort an Land gehen können:

30. April: Es ist extrem belastend, nicht an Land gehen zu können, nachdem man nahe am Tod war. 101 Gerettete auf der Geo Barents und 295 auf der Ocean Viking zeigen zunehmend Anzeichen von psychischer Belastung. Die unverzügliche Zuweisung eines sicheren Ortes für diese Überlebenden ist eine rechtliche und moralische Pflicht

Unser Team und das der IFRC alles, um diese belastende Situation durch regelmässiges Informieren der Geretteten zu entschärfen. Dies kann jedoch nur begrenzt helfen. Schiffe sind nur ein temporärer Aufenthaltsort.

29. April: Die 295 Geretteten auf der Ocean Viking warten auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Sie alle müssen sofort von Bord gehen können.

27. April: Am Morgen wurde ein in Seenot geratenes Schlauchboot in über 2 Meter hohen Wellen mit dem Fernglas gesichtet. 59 Menschen wurden aus unmittelbarer Todesgefahr auf die Ocean Viking evakuiert.

Nacht vom 26. auf den 27. April: Im Dunkeln und bei bis zu 3 Meter hohen Wellen kam die Crew auf der Ocean Viking in der libyschen Such- und Rettungszone einem Schlauchboot zu Hilfe. An Bord befanden sich 72 Menschen, darunter Frauen und Kinder, ohne Rettungswesten. Ein Mann kollabierte während der Evakuierung. Alle Überlebenden waren erschöpft.

25. April: Die Crew auf der Ocean Viking führte in internationalen Gewässern vor Libyen eine weitere kritische Rettung durchgeführt. 94 Menschen wurden aus einem überfüllten Schlauchboot gerettet.

  • Während des Einsatzes näherte sich erneut ein libysches Patrouillenschiff und sorgte für Angst unter den Schiffbrüchigen.
  • Unter den 94 Geretteten, die sicher an Bord gebracht wurden, befinden sich 2 Frauen, 47 unbegleitete Minderjährige und ein 1-jähriges Baby.

Nach der Rettung teilten die Überlebenden den Teams auf der Ocean Viking mit, dass in der Nacht vor der Rettung 15 Menschen aus dem überfüllten Boot ins Wasser gefallen waren. Nur drei schafften es zurück, die anderen 12 sind wahrscheinlich ertrunken und gelten nun als vermisst. Einige der Überlebenden zeigen Anzeichen eines emotionalen Traumas, da sie Angehörige verloren haben. Sie werden von unserem Team und dem der IFRC betreut. Der 28-jährige Jean* erzählte an Deck der Ocean Viking:

“Wir sind um 3 Uhr morgens losgefahren. Es gab Wellen. Die Leute waren erschöpft. Einige wurden wenige Stunden nach unserer Abfahrt ohnmächtig und fielen ins Wasser. Wir konnten nur drei Personen bergen. Für die anderen konnten wir nichts tun. Wir waren 106 Personen, als wir den Strand verliessen. Als ich sie  fragte, wie viele von uns sie gerettet haben, sagten sie mir 94 Personen.
Ich hatte keine Ahnung, was für ein Boot ich besteigen würde, aber mir wurde gesagt, dass es ein grosses, solides Boot sein würde. Als wir am Strand ankamen, stellte ich fest, dass das “Boot” nur ein Stück Gummi war. Wir waren zu viele auf diesem Boot, viel zu viele. Wir hatten kein Essen, kein Wasser zu trinken, nur Meerwasser.”

24. April: Die Crew auf der Ocean Viking rettete in internationalen Gewässern vor Libyen 70 Menschen aus einem in Seenot geratenen Schlauchboot, das bereits an Luft verlor. Unter ihnen befinden sich 17 unbegleitete Minderjährige.

Die NGO Pilotes Volontaires hatte die Suche unterstützt.

Während des Einsatzes näherte sich ein libysches Patrouillenschiff, was Panik auslöste. Alle in Not geratenen Personen konnten von unserem Team sicher an Bord der Ocean Viking gebracht werden.

Vor Aufbruch ins Einsatzgebiet: Auf der Ocean Viking trainieren die Teams täglich, um sich auf den bevorstehenden Einsatz vorzubereiten. Verschiedene Szenarien von Massenrettung über Post Rescue Care werden geübt, um für jegliche Situation bereit zu sein. Sie üben präzise Abläufe und Bewegungen, die für “Mann über Bord”-Situationen entwickelt wurden. Schnelles Handeln, Kommunikation und Koordination sind zentral, um Menschen innerhalb von Sekunden aus dem Wasser zu bergen und Gerettete in kritischem Zustand medizinisch zu versorgen.


Weitere Informationen zu unserem Einsatz findet ihr bei Twitter oder auf unserem Online-Logbuch. Über unseren Newsletter erhaltet ihr regelmässig Neuigkeiten zu unserer lebensrettenden Arbeit im zentralen Mittelmeer.

Foto- und Videonachweise: Claire Juchat / SOS MEDITERRANEE

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