Alif* ist 17, aus Bangladesch, und wurde in Libyen entführt, misshandelt und erpresst. Die Ocean Viking rettete ihn aus Seenot.
Alif*: “Ich habe überlebt, aber innerlich fühle ich mich immer noch nicht frei.”
Alif
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Rettungsdatum
Alter


TW : Die geteilten Erfahrungen könnten die Empfindlichkeiten einiger Leser:innen verletzen.
Alif* wurde im Mai 2026 zusammen mit mehr als 60 weiteren Überlebenden von der Ocean Viking aus einem in Seenot geratenen Glasfaserboot in der maltesischen Such- und Rettungsregion gerettet.
"Mein Name ist Alif*. Ich bin 17 Jahre alt und komme aus Bangladesch."
"In Bangladesch hat mein Onkel, der Bruder meines Vaters, versucht, mich zu töten. Er hat mich mehrmals mit einer Machete angegriffen. Er sagte, ich sei nicht religiös genug, und er wolle mir das Land wegnehmen, das ich eigentlich von meinem Vater erben sollte."
"Daraufhin riet mir mein Vater, das Land zu verlassen, da mein Leben in Gefahr war."
Das Versprechen von Arbeit in Libyen
"Ich begann, nach Möglichkeiten zu suchen. Auf Facebook fand ich ein Stelleninserat, in der Jobs in Libyen angeboten wurden. Eine Agentur organisierte die Reise. Ich zahlte eine Gebühr, in der der Flug enthalten war. Als ich in Libyen ankam, fand ich eine Stelle in einem Restaurant. Im ersten Monat erhielt ich 300 Dollar."
Alifs* Entführung
"Fünf Tage, nachdem ich das Geld erhalten hatte, drang eine Gruppe von Männern in mein Zimmer ein und entführte mich. Sie waren als Polizisten verkleidet und übergaben mich einer kriminellen libyschen Bande."
"Sie sperrten mich in ein Haus ein und schlugen mich. Sie zwangen mich, den sexuellen Missbrauch anderer Menschen mitanzusehen. Ausserdem zwangen sie einige von uns, miteinander Sex zu haben, während sie zuschauten. Wenn ich mich weigerte, schlugen sie mich und hielten mir eine Waffe an den Kopf. Einige der Mädchen waren sehr jung. Ich glaube, sie kamen von den Philippinen."
Erpressung in Libyen
"Dann forderten sie 1.000 Dollar von mir. Sie liessen mich drei Tage lang ohne Essen und Wasser zurück. Sie zwangen mich, meine Eltern anzurufen. Meine Familie ist arm. Sie mussten einen Teil ihrer Besitztümer verkaufen, konnten mir aber nur 500 Dollar schicken. Ich wusste, dass meine Familie Angst hatte, und ich wusste, dass sie nichts hatten. Ich fühlte mich schrecklich, weil sie Geld auftreiben mussten, um mich zu retten."
"Nachdem sie das Geld erhalten hatten, brachte mich die Gruppe an einen anderen Ort. Ich verbrachte zwei Monate in einem grossen Raum mit fast 200 Menschen verschiedener Nationalitäten – aus Pakistan, Somalia, dem Sudan und Ägypten."
"Sie schlugen uns. Wer eine Frage stellte, wurde geschlagen. Die Bedingungen waren schrecklich. Ich möchte diese Zeit einfach nur vergessen. Drei Menschen, die mit mir gereist waren, wurden in Libyen brutal ermordet. Sie wurden von kriminellen Gruppen erschossen oder erstochen."
Die Überfahrt
"Eines Tages steckten sie uns in einen Kleinbus und brachten uns zum Strand. Als wir ankamen, näherte sich ein weiterer Kleinbus, und die Leute darin fingen an, auf uns zu schiessen. Wir stiegen alle so schnell wie möglich aus."
"Der Boden war mit Glasscherben übersät, und ich hatte einen meiner Schuhe verloren. Ich wickelte meine Jacke um meinen nackten Fuss, um ihn zu schützen. Ich glaube, diese Jacke hat mir das Leben gerettet."
"Dann zwangen sie uns auf ein Boot. Als ich fragte, wohin wir fahren würden, bekam ich einen Schlag auf den Kopf und wurde aufgefordert, still zu sein. Sie sagten, wir würden in Richtung Lampedusa oder Sizilien fahren."
"Und dann haben wir euch gefunden."
Der Wunsch nach Sicherheit
"In Bangladesch hatte ich Angst, und dann hatte ich in Libyen wieder Angst."
"Ich habe überlebt, aber innerlich fühle ich mich immer noch nicht frei."
"Ich möchte einfach nur an einem Ort sein, an dem mich niemand schlägt, einsperrt oder mir Angst macht."
*Der Name wurde zum Schutz des Überlebenden geändert. An Bord der Ocean Viking werden Alif* und andere, die sexuelle Gewalt erlebt haben, von unserem medizinischen und psychologischen Team betreut. Alif* erhielt ein ärztliches Attest, das die von ihm erlittene Gewalt dokumentierte, und er wurde an medizinische und psychologische Dienste an Land verwiesen.
Bild: Marie Tihon / SOS MEDITERRANEE
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