Ashanti - Sie können dich schlagen, töten und einfach liegen lassen, ohne dafür Konsequenzen tragen zu müssen.
Von Ghana über Libyen bis ins Mittelmeer. Ashantis Geschichte.
Ashanti - Sie können dich schlagen, töten und einfach liegen lassen, ohne dafür Konsequenzen tragen zu müssen.
Ashanti
Heimatland
Rettungsdatum
Alter
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Warnhinweis: Diese Zeugenaussage enthält belastende Schilderungen von Misshandlungen.
In Ghana finden selbst Menschen mit einer höheren Ausbildung keine Arbeit. Frauen müssen oft mit Verantwortlichen des Unternehmens schlafen, um eine Stelle zu bekommen. Männer müssen Bestechungsgelder zahlen. Diplome spielen keine Rolle. Wer eine Stelle im öffentlichen Dienst bekommen möchte, zum Beispiel bei der Polizei, beim Migrationsamt oder der Feuerwehr, muss dafür bezahlen. Das ganze System ist hoch korrupt.
Deshalb arbeiten viele Menschen im sogenannten "Galamsey", dem illegalen Goldabbau, um über die Runden zu kommen. Werden sie dabei erwischt, schrecken die Verantwortlichen nicht davor zurück, sie töten zu lassen, um diese illegalen Aktivitäten zu beenden. Junge Menschen riskieren also jeden Tag ihr Leben, nur um genug Geld für Essen zu verdienen.
Viele gehen in die Golfstaaten, um dort unter katastrophalen Bedingungen zu arbeiten. Sie hoffen, ihrer Familie Geld schicken zu können, denn in Ghana können sie ihren Lebensunterhalt nicht ausreichend decken.
In meinem Viertel gibt es Konflikte zwischen den lokalen Machthabern. Sie töten sich gegenseitig, um die Kontrolle über bestimmte Stadtteile zu erlangen, und verfügen über bewaffnete Gruppen. Das hat massive Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Es ist sehr gefährlich. Sie haben sogar nächtliche und morgendliche Ausgangssperren verhängt. Dadurch können wir nicht zu unseren Feldern gehen, um Lebensmittel anzubauen und unseren Lebensunterhalt zu sichern.
Ich stamme aus einer Bauernfamilie. Wir besitzen Kakaobäume. Doch die Kakaopreise sind gesunken, und wir können nicht mehr von dieser Arbeit leben.
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Ich ging nach Libyen, nachdem ich betrogen worden war. Jemand hatte mir gesagt: "Wenn du nach Libyen kommst, findest du Arbeit und wirst gut bezahlt." Doch als ich dort ankam, merkte ich, dass das eine Lüge war.
Man zwingt dich zu arbeiten, bezahlt dich aber nicht. Die Arbeit ist sehr hart. Die Menschen werden oft krank und haben keinen Zugang zu Medikamenten. Jeden Tag sterben Menschen. Libyer fahren mit ihren Autos hin und her, um die Leichen abzutransportieren. Wir wissen nicht, wohin sie gebracht werden.
Das ist Sklaverei. Wenn du kein Libyer bist, behandeln dich die Libyer wie ein Tier. Sie können dich schlagen, töten und einfach liegen lassen, ohne dafür Konsequenzen tragen zu müssen.
Sie betreiben Menschenhandel. Sie verkaufen Menschen. Männer setzen sie für schwere körperliche Arbeit ein. Sie entführen Nigerianische Frauen und zwingen sie zur Prostitution. Sie verlangen Lösegeld, das deine Familie bezahlen muss. Erst wenn das Geld eingegangen ist, lassen sie dich frei. Sie foltern dich mit Elektrokabeln und Messern und missbrauchen Frauen sexuell. Manche schaffen es nie, das Lösegeld aufzubringen. Viele verlieren dort ihr Leben. Andere verlieren den Verstand, nachdem sie so lange festgehalten wurden. Ich habe von Menschen gehört, denen aus Geldnot eine Niere entnommen wurde, um mit ihren Organen zu handeln.
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Diejenigen, die das Gefängnis kontrollieren, sind dieselben, die dich zwingen, auf ein Boot zu steigen, dich auf dem Meer abfangen und zurück ins Gefängnis bringen. Sie alle arbeiten zusammen.
Eines Tages weckten mich die Menschen, die mich festhielten, und sagten mir, dass wir auf ein Boot steigen würden. Sie zwangen die Menschen an Bord zu gehen. Ich sah mit eigenen Augen, wie jemand starb, weil er Benzindämpfe eingeatmet hatte. Viele Menschen erlitten Verbrennungen durch das Gemisch aus Benzin und Wasser.
Die libysche Küstenwache brachte mich zurück.
Danach passierte es ein zweites Mal und ein drittes Mal. Sie zwingen dich mit vorgehaltener Waffe, an Bord zu gehen. Du hast keine andere Wahl. Auch wenn wir Angst vor dem Meer haben und weinen, weil wir umkehren wollen, fürchten wir uns davor, tatsächlich umzukehren. Denn dieselben bewaffneten Menschen, die uns zum Einsteigen gezwungen haben, wären immer noch da.
Das Meer war sehr unruhig und unser Motor fiel aus. Wenn ihr uns nicht gefunden hättet, wären wir mit Sicherheit gestorben.
Crédits photos : Ville Maali / SOS MEDITERRANEE
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