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Farhan – “Auf See habe ich eine Angst verspürt, die ich zuvor noch nie erlebt hatte”

Farhan ist 17 Jahre alt und kommt aus Bangladesch. Am 25. Mai wurde er gerettet, nachdem er 24 Stunden lang auf dem Mittelmeer in Seenot war.

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Farhan – “Auf See habe ich eine Angst verspürt, die ich zuvor noch nie erlebt hatte”

Farhan

Heimatland

Bangladesh

Rettungsdatum

May 25, 2026

Alter

17

Farhan ist 17 Jahre alt und kommt aus Bangladesch. Wegen der politischen Situation konnte er nicht länger in Bangladesch bleiben. Er machte sich auf eine lange Reise, die ihn nach Libyen führte. Von dort aus versuchte er, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

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Am 25. Mai wurde Farhan von der Crew der Ocean Viking gerettet. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 24 Stunden auf dem Meer unterwegs.

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Warum Farhan Bangladesch verliess

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Nach der Absetzung der ehemaligen Premierministerin Sheikh Hasina veränderte sich die Situation in Bangladesch schnell.

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Meine Familie hatte sie immer unterstützt, vor allem mein Vater. Manchmal habe ich an Demonstrationen teilgenommen. Ich halte mich nicht für politisch engagiert, auch wenn ich gelegentlich an Demonstrationen teilgenommen habe. Aber die Politik beeinflusst das Leben der Menschen, ob sie es wollen oder nicht.

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‍In dieser Zeit nahmen Verhaftungen und Polizeigewalt zu. Besonders betroffen waren Menschen, die verdächtigt wurden, die ehemalige Regierung unterstützt zu haben.

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Die Polizei nahm Menschen nicht nur während der Demonstrationen fest. Sie kam auch nachts zu den Menschen nach Hause, bedrohte die Familien und nahm die Leute mit. Viele meiner Freunde sitzen heute im Gefängnis. Ich habe mich versteckt, aber so konnte ich nicht ewig weiterleben. Ich konnte nicht arbeiten und meine Familie nicht sehen. Niemand will sein Land, seine Familie und sein Zuhause verlassen, aber ich wurde dazu gezwungen.

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Farhan versuchte zunächst, sich in einer anderen Stadt zu verstecken. Mehrere Wochen lang zog er von Ort zu Ort.

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Aber da ich weder arbeiten noch meine Familie sehen konnte, war mir klar, dass ich so nicht ewig weiterleben konnte. Ich hatte das Gefühl, keine andere Wahl zu haben. Ich fühlte mich gezwungen, endgültig wegzugehen, auch wenn ich das gar nicht wollte.

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Neun Monate in Libyen

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‍‍Nachdem Farhan Bangladesch verlassen hatte, machte er sich auf den Weg nach Libyen. Die Reise dorthin dauerte eine Woche. Er ahnte nicht, dass er neun Monate in Libyen verbringen würde.

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Ich blieb dann neun Monate dort. Der Schlepper, der meine Reise organisiert hatte, liess uns in einer entsetzlichen Lage zurück. Ich wurde zusammen mit anderen Menschen in einem Haus festgehalten, bekam kaum etwas zu essen und wurde misshandelt. Wir wurden oft geschlagen.

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Schliesslich bestieg Farhan ein kleines Boot, um nach Italien zu gelangen. 75 Menschen waren insgesamt an Bord.  

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Wir waren viel zu viele für dieses kleine Boot. Wir waren dicht gedrängt, unsere Körper pressten sich aneinander, und wir waren von Benzin- und Wasserkanistern umgeben. Der Geruch war unerträglich. Es gab nicht genug Platz, um richtig zu sitzen oder auch nur die Beine zu bewegen.

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"Dieses Wasser schien endlos zu sein"

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Viele Menschen, die von der Ocean Viking gerettet werden, berichten von den Gefahren, denen sie in Libyen ausgesetzt waren. Farhan erzählt zudem eindrücklich von der Angst, die er während der Überfahrt über das Mittelmeer erlebt hat.

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‍Auf See habe ich eine Angst verspürt, die ich zuvor noch nie erlebt hatte. Ich habe viel geweint, und ich schäme mich nicht, das zu sagen. Irgendwann habe ich mir ein Handtuch über den Kopf gezogen und den Blick auf meine Füsse gesenkt, weil ich es nicht wagte, aus dem Boot hinauszuschauen, vor allem nachts.
In der Dunkelheit sah man nichts als Wasser, und dieses Wasser schien endlos zu sein. Ich musste immer wieder daran denken, dass niemand etwas tun könnte, wenn etwas passieren würde. Also blieb ich regungslos und wartete.
Niemand sagt dir vor der Abreise die Wahrheit

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Farhan wusste vor seiner Abreise nicht, wie gefährlich der Weg sein würde. Die Gefahren in Libyen und auf dem Mittelmeer werden von Schleppern oft verschwiegen.

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Bevor ich Bangladesch verliess, hatte ich keine Ahnung, wie gefährlich diese Reise sein würde. Niemand sagt dir vor der Abreise die Wahrheit. Ich habe mein Leben riskiert, nur um diese Überfahrt zu schaffen, und ich werde nie wieder aufs Meer hinausfahren.

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Bild: Javier Alvarez & Maria Giulia Trombini / SOS MEDITERRANEE

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