Medienmitteilung – Ein Jahr nach dem Beschuss der Ocean Viking warnt SOS MEDITERRANEE vor zunehmenden Bedrohungen durch libysche Akteure auf See, die noch immer durch Europa unterstützt werden
Ein Jahr nach den Schüssen der libyschen Küstenwache auf die «Ocean Viking» herrscht weiterhin Straffreiheit.
Medienmitteilung – Ein Jahr nach dem Beschuss der Ocean Viking warnt SOS MEDITERRANEE vor zunehmenden Bedrohungen durch libysche Akteure auf See, die noch immer durch Europa unterstützt werden
Heimatland
Rettungsdatum
Alter


Zürich, 24. August 2026 – Auch ein Jahr nachdem das Rettungsschiff Ocean Viking von der libyschen Küstenwache (LCG) beschossen wurde, ist bislang niemand zur Verantwortung gezogen worden. Während des Angriffs befanden sich 87 zuvor auf See gerettete Menschen an Bord. Die internationale humanitäre Organisation SOS MEDITERRANEE warnt vor einer zunehmenden und immer gefährlicheren Präsenz libyscher Akteure im zentralen Mittelmeer. Es handelt sich dabei nicht nur um Einschüchterungen und gewaltsame Abfangaktionen gegen Menschen in Seenot, sondern auch um eine zunehmende Zahl von Vorfällen, bei denen Rettungsschiffe in internationalen Gewässern über längere Zeit verfolgt werden.
Der Angriff vom 24. August 2025 hatte die Ocean Viking schwer beschädigt und die geretteten Menschen und Besatzungsmitglieder zutiefst traumatisiert. Zwölf Monate später haben europäische und nationale Behörden trotz laufender rechtlicher Verfahren in Italien, Frankreich und Deutschland noch immer keine konkreten politischen Massnahmen ergriffen, um die Verantwortlichkeit für den Angriff zu klären und ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern.
„Der Angriff hätte ein Umdenken auslösen sollen“
sagte Soazic Dupuy, Einsatzleiterin bei SOS MEDITERRANEE.
„Stattdessen haben die vergangenen zwölf Monate eine Zunahme der Bedrohungen für Menschen in Seenot gezeigt, begleitet von einer verstärkten europäischen Zusammenarbeit mit libyschen Akteuren. Damit wird eine gefährliche Botschaft vermittelt: Gewalt auf See kann ungestraft verübt werden.“
Im vergangenen Jahr hat SOS MEDITERRANEE im Rahmen seiner Luftüberwachungsmission Albatross eine deutliche Zunahme der Präsenz nicht identifizierter Schnellboote dokumentiert, die mit verschiedenen bewaffneten Gruppen in Libyen in Verbindung stehen. Diese Boote wurden bei gewaltsamen Abfangaktionen beobachtet, darunter auch beim gezielten Rammen von Booten mit Menschen in Seenot und bei lebensgefährlichen Manövern.
Zudem ist ein neues, besorgniserregendes Phänomen zu beobachten: Zwischen Juni und Juli 2026 gab es mindestens sieben Fälle, in denen sich Schiffe, die mit libyschen Akteuren in Verbindung stehen – darunter auch nicht identifizierte Boote – mit hoher Geschwindigkeit Rettungsschiffen näherten und diesen über längere Zeit folgten. SOS MEDITERRANEE bezeichnet dieses Verhalten als „Shadowing“.
Das zunehmend schwierige Einsatzumfeld im zentralen Mittelmeer hängt auch mit der Ausweitung der europäischen Zusammenarbeit mit Akteuren in Libyen zur Eindämmung und Verhinderung von Migration zusammen. Untersuchungen von SOS MEDITERRANEE und IRPI Media ergaben Anfang dieses Jahres, dass zwischen 2017 und 2025 mindestens 61,2 Millionen Euro an europäischen Geldern in Kooperationsprojekte mit libyschen Behörden flossen. Gleichzeitig konnte fast die Hälfte des Programmbudgets nicht vollständig zurückverfolgt werden.
Ein Jahr nach dem Beschuss bekräftigt SOS MEDITERRANEE ihre Forderung nach einer umfassenden und unabhängigen Untersuchung des Angriffs sowie nach einer Klärung der Verantwortlichkeit. Bis dahin fordert die Organisation, die gesamte europäische Unterstützung für die libysche Küstenwache mit sofortiger Wirkung auszusetzen.
„Auch wenn noch immer niemand zur Rechenschaft gezogen wurde, wird SOS MEDITERRANEE ihre Arbeit fortsetzen, um Menschenleben zu retten und Verstösse gegen internationales Recht zu dokumentieren. Wir möchten sicherstellen, dass das zentrale Mittelmeer kein rechtsfreier Raum ohne Transparenz und Menschlichkeit wird“
ergänzte Dupuy.
Bildnachweis: Ania Gruca / SOS MEDITERRANEE
Actualités
.png)
Ein Jahr nach dem Angriff auf die Ocean Viking bedroht eine wachsende Flotte libyscher Akteure weiterhin Menschen in Seenot und Rettungsschiffe - ohne Konsequenzen.

Alif*: “Ich habe überlebt, aber innerlich fühle ich mich immer noch nicht frei.”
.png)
Einsatzbericht 12/2026 der Ocean Viking – 55 Menschen gerettet
BLEIB INFORMIERT
Abonniere jetzt unseren Newsletter für Einblicke in die Rettungseinsätze der Ocean Viking, Einladungen zu Aktionen und aktuellen Infos zur Lage im Mittelmeer!