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Omar – «Ich bin wach geblieben, weil ich irgendwie spürte, dass uns etwas in Sicherheit bringen würde.»

August 13, 2026

Omar*, ein 17-jähriger Ägypter wurde im Mai 2026 von unseren Teams auf der «Ocean Viking» gerettet. Omar hat uns seine Geschichte erzählt.

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Omar – «Ich bin wach geblieben, weil ich irgendwie spürte, dass uns etwas in Sicherheit bringen würde.»

Omar

August 13, 2026

Heimatland

Egypt

Rettungsdatum

May 1, 2026

Alter

17

TW : Die geteilten Erfahrungen könnten die Empfindlichkeiten einiger Leser:innen verletzen.  

Der 17-jährige Ägypter Omar* wurde im Jahr 2026 von der Crew der Ocean Viking gerettet. An Bord des Rettungsschiffes erzählte er uns seine Geschichte.

Ich bin wach geblieben ,weil ich irgendwie spürte, dass uns etwas in Sicherheit bringen würde. Nachdrei Tagen auf See, ohne Essen und Wasser und mit einem Loch im Boot, sahen wirein Licht in der Dunkelheit.

Als Omar von dem Moment erzählte, in dem er einen Hoffnungsschimmer wahrnahm, begann er, seinen gesamten Weg bis zu diesem Augenblick zu schildern. Den Weg von Ägypten nach Libyen, von Libyen aufs Meer.

Ich hatte Geschichten über Libyen gehört. Ich hatte gehört, dass Menschen einfach festgenommen oder gefoltert werden. Überall gibt es gute und schlechte Menschen. Manche Libyer sind nett. Aber niemand hat mir geholfen. Wenn du den Menschen in Libyen Geld gibst, geben sie dir alles, was du willst. Vor allem, wenn du allein und verletzlich bist.

Für Menschen wie Omar ist es jedoch undenkbar, in Libyen zu bleiben. Sie erleben die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, die von Organisationen wie der UNO dokumentiert wurden, am eigenen Leib. Trotz der Gefahren, die die Überquerung des Mittelmeers mit sich bringt, ist dies oft ihre einzige Möglichkeit, aus Libyen zu fliehen.

Wir haben Libyen gegen 23 Uhr verlassen. Kurz danach wurde das Meer immer rauer. Die Wellen wurden immer höher und waren irgendwann bis zu drei Meter hoch. Das Boot füllte sich mit Wasser.  Wir mussten unser Trinkwasser ausleeren und unsere leeren Wasserflaschen benutzen, um stundenlang Wasser aus dem Boot zu schöpfen.
Wir haben drei Tage auf See verbracht, ohne Essen und ohne Wasser. Ich konnte nichts sehen. Ich hatte mir die Reise über das Meer nicht so vorgestellt. Ich hatte nicht viel darüber nachgedacht. Psychisch ging es mir bereits sehr schlecht. Ich hatte schon einmal versucht, mir das Leben zu nehmen und deshalb nicht darüber nachgedacht, wie gefährlich die Reise sein könnte. Am schlimmsten waren die Einsamkeit und das Gefühl, dass mir nichts mehr blieb. Ich hatte kein Zuhause und keine Hoffnung. Ich habe mich vollkommen allein gefühlt.

Omar erklärt, dass die Menschen an Bord des provisorischen Bootes nach einigen Tagen erschöpft waren und dass der Treibstoff langsam knapp wurde. Die Lage verschlechterte sich so sehr, dass Omar und seine Gruppe erwogen, nach Libyen zurückzukehren. Sie hatten Angst, dass jemand ertrinken könnte.

Das Boot hatte ein Loch und wir dachten, dass es keine Hoffnung mehr gab. Wir waren völlig übermüdet. In der dritten Nacht schliefen alle ausser mir. Ich blieb wach, denn tief in meinem Inneren spürte ich, dass etwas oder jemand uns in Sicherheit bringen würde. Dann sah ich die Ocean Viking.
Ich nahm mein Handy und begann, mit der Taschenlampe zu leuchten und zu winken,damit die Crew uns in der Dunkelheit sehen konnte. Es war mir egal, was für ein Boot es war. Für uns war es am Wichtigsten, dass niemand ertrinken würde.

Schliesslich konnte unser Rettungsschiff und die anderen Menschen an Bord retten.

Bevor wir gerettet wurden, dachte ich, dass wir alle sterben würden, wenn wir noch ein oder zwei Tage länger auf See verbringen müssten. Nach der Rettung spürte ich zum ersten Mal wieder eine innere Ruhe. Meine Eltern würden nicht wegen meines Todes weinen müssen.

Nachdem er uns von seinen Erlebnissen während der Überfahrt berichtet hatte, erzählte er uns von seinen Hoffnungen und seinen Plänen für die Zukunft.

Ich weiss noch nicht, in welchem Beruf ich in Zukunft arbeiten werde. Aber ich bin bereit, jede Gelegenheit zu nutzen, die sich mir bietet und hart dafür zu arbeiten. Meine Hoffnung ist jetzt ganz einfach: in Sicherheit zu sein, mein Leben neu aufzubauen und meine Eltern stolz zu machen.

Bilder : Marie Tihon / SOS MEDITERRANEE

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