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"Libyen kann einen zerstören."

January 3, 2023

Nia* wurde im Dezember 2022 gerettet. Die Ocean Viking suchte stundenlang in der Dunkelheit nach dem Boot, bevor sie ein blinkendes Licht entdeckte.

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"Libyen kann einen zerstören."

Nia

January 3, 2023

Heimatland

Kamerun

Rettungsdatum

December 26, 2022

Alter

18

Triggerwarnung: Der folgende Erfahrungsbericht enthält Schilderungen physischer, auch sexueller, Gewalt.

Nia* wurde in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember 2022 gerettet. Sie verbrachte zusammen mit 112 anderen Menschen 24 Stunden auf einem überfüllten Schlauchboot. Das Team von SOS MEDITERRANEE suchte stundenlang in der Dunkelheit nach dem Boot, bevor sie vier Seemeilen von der Ocean Viking entfernt ein blinkendes Licht entdeckte. Nachdem die Crew die drei Schnellboote zu Wasser gelassen hatte, konnten sie mitten in der Nacht Babys schreien hören und die Angst der Menschen auf dem Schlauchboot spüren. Nia* hielt die Hand eines anderen Überlebenden fest, als sie dem Team an Bord kurz nach der Rettung ihre Geschichte erzählte.

"Ich war drei Jahre in Libyen, drei lange Jahre. In Libyen schlugen sie die Frauen morgens und abends. Ich habe Frauen vor meinen Augen sterben sehen. Sie vergewaltigen dich; sie behandeln dich wie ein Tier. Sie schlagen sogar Kinder und Babys. Wenn man in Libyen bleibt, wird man krank im Kopf. Sieh dir diesen Mann an, er ist nicht mehr bei uns. Auch wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen, habe ich ihn im Boot festgehalten, weil er jederzeit hätte fallen können. Er spricht nicht mehr. Er isst nicht mehr allein. Ich habe das bisschen Wasser, das ich während der Überfahrt hatte, mit ihm geteilt. Libyen macht das mit den Menschen. Manche werden zu Geistern. Und ich, ich habe Schmerzen im Bauch, weil ich kurz bevor ich auf das Boot ging eine Fehlgeburt hatte. Das ist nicht normal. Es macht mich krank, wenn ich daran denke. Deshalb helfe ich diesem Mann, und alle sind nett zu ihm, denn wir wissen, wie Libyen ist. Libyen kann einen zerstören."

* Der Name wurde zum Schutz der Person geändert

Credits Titelfoto: Michael Bunel / SOS MEDITERRANEE

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